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NZZ: "Farbiges Glas in altem Gemäuer", Vitromusée, Romont
14.11.2006
Ausgestellt
Vitromusée, Romont
Crs. Eigentlich ist allein schon der Blick einen Ausflug nach Romont wert, den man von der mittelalterlichen Altstadt aus über die sattgrünen Hügel des Pays de Glâne schweifen lassen kann und der bei klarer Sicht bis zum Montblanc reicht. Mitten in der Freiburger Kleinstadt, die von mächtigen Festungsmauern umgeben ist, liegt das im 13. Jahrhundert erbaute Schloss. Seit 25 Jahren beherbergt es das Schweizerische Museum für Glasmalerei, das seit einer Renovation vor kurzem «Vitromusée» heisst. Anlass für dessen Vergrösserung war die Ausdehnung der Sammlung von Glasmalerei auch auf Hinterglasmalerei, was neue Räumlichkeiten und ein neues Ausstellungskonzept erforderte.
Neu geschaffen wurde unter anderem die Orangerie, ein lichtdurchfluteter Wintergarten, in dem zurzeit eine temporäre Ausstellung von zeitgenössischen Glasmalern gezeigt wird. Die ausgestellten Werke dürften jene Besucher überraschen, die bei Glasmalerei vor allem an alte Kirchenfenster oder verstaubte Wappenscheiben denken. Die Glasmalereien zeigen aktuelle Motive und neue Techniken des seit Jahrhunderten bestehenden Handwerks.
Die Dauerausstellung über die Glasmalerei beginnt im Treppenhaus des Schlosses, das architektonisch an Ritterrüstungen aus dem Mittelalter erinnert. In den Ausstellungsräumen, in die kaum Tageslicht fällt, werden lediglich die Glasmalereien selbst beleuchtet, was sie im Halbdunkel schimmern lässt und die fast geheimnisvoll wirkende Atmosphäre noch verstärkt. Die Werke sind chronologisch aufgereiht und erzählen so die Geschichte der Glasmalerei nach - von Fragmenten geschmückter Glasfenster aus der Zeit Karls des Grossen über die Wappenscheiben der Eidgenossen hin zu Jugendstil-Malereien. Zu Letzteren gehört beispielsweise ein farbenprächtiges Fenster für die Garderobe des Ständeratssaals, das um 1900 entstanden ist.
Zu sehen sind auch zeitgenössische Werke, etwa eine Scheibe des britischen Künstlers Brian Clarke, der eine Foto von Paul McCartney und dessen verstorbener Frau Linda auf Glas gebannt hat. Auf erklärende Texte habe man in den Ausstellungsräumen bewusst verzichtet, auch wenn dies für den Besucher zunächst ungewohnt scheine, erklärt Museumsdirektor Stefan Trümpler. Der Betrachter soll sich ganz den Kunstwerken widmen können, ohne abgelenkt zu werden. Detaillierte Informationen können in kleinen Broschüren nachgeschlagen werden.
Eine Passerelle führt in den angrenzenden Flügel des Schlosses, in dem seit Oktober die neueröffnete Abteilung des Museums über die Hinterglasmalerei untergebracht ist. Sie präsentiert die weltweit grösste Sammlung von Werken dieser Kunstrichtung, die insgesamt rund 1000 Objekte umfasst und dem Museum vom Berner Sammler-Ehepaar Ruth und Frieder Ryser vermacht wurde. Die Ausstellung zeigt Bilder, Möbel und Schmuckstücke, in die diese sehr kostspielige und aufwendige Form des Kunsthandwerks Eingang gefunden hat. Neben verschiedenen Techniken der Hinterglasmalerei werden auch die unterschiedlichsten Schulen der Kunstgattung vorgestellt; neben Werken aus Italien und Frankreich sind auch Malereien aus China und Indien zu sehen. Die Hinterglasmalerei sei eine weitgehend unbekannte Nischenkunst, meint Direktor Trümpler. Er hoffe dennoch, dass die neue Ausstellung auf breites Interesse stosse, immerhin sei sie international einzigartig.
Wer nach dem Besuch des Vitromusée Lust auf mehr bekommen hat, kann sich übrigens aufmachen zum «Sentier Vitrail», einem Wanderweg, der quer durch die Region des Pays de Glâne zu verschiedenen Bauten mit Glasmalereien führt. Ein erster Halt lässt sich bei der Zisterzienserinnenabtei Fille-Dieu in Romont einlegen. Die schlichten Glasmalerei-Motive der Fenster in der renovierten Klosterkirche stammen vom britischen Künstler Brian Clarke - ein Beispiel für die zeitgenössische Interpretation mittelalterlicher Kirchenfenster.
Vitromusée Romont, Au château, 1680 Romont. Tel. 026 652 10 95. Öffnungszeiten November bis März: Donnerstag bis Sonntag, 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr; April bis Oktober: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr. Eintritt: 9 Franken, ermässigt 6 Franken, Kinder bis 16 Jahre gratis.
ww.vitromusee.ch, www.nzz.ch/ausgestellt.


